Der Schwarze Punkt


Die Ursache für den schwarzen Punkt ist nach aktuellem Stand der Circovirus und er tritt nur GEMEINSAM mit  Mykoplasmen-Infektion auf.

 

Ich nehme bei der Aussage Bezug auf die Publikationen von Dr. Jan Vanderborght.

 

Bei mir selber trat der schwarze Punkt noch nicht in Erscheinung.
Ich habe schon einige F2 Tiere von italienischen Importen gekauft, bei denen es bei dem Züchter von dem ich die F2 habe in der F1 zu großen Ausfällen durch den schwarzen Punkt gekommen ist und hatte selber keinen einzigen Vogel mit dem schwarzen Punkt. Meine Rahmenbedingungen sind das abwechslungsreiche Körnerfutter und 365 Tage pro Jahr Grünfütterung. Im Sommer reiche ich frisch geerntete Wildkräuter in der Voliere, täglich möglichst 3 verschiedene Sorten. Meine Jungvögel bekommen seit Jahren immer ab dem ersten Tag im Nest Grünfütterung durch ihre Eltern. Daher setzte ich ein optimales Immunsystem voraus.

 

Wie viele von euch, versuche auch ich immer meine veterinärmedizinischen Fachkenntnisse zu erweitern.
Nachdem ich viel wissenschaftlich Publikationen gelesen habe, finde ich folgende Gedankengänge interessant:

 

Grundsätzliche Beobachtungen:

 

Belastete Kanarien haben Junge, die mit einem so genannten „schwarzen Fleck" geboren wurden, eine hohe Sterblichkeit von bis zu 90-100% aufgrund von Sekundärinfektionen. Das bedeutet, dass der Erreger die Vögel anfällig für Infektionen macht, die unter normalen Umständen kein Problem für das Immunsystem der Vögel darstellen würden. Merkmale des Schwarzen Punkt sind außer diesem beispielsweise auch: Bauchvergrößerung, Gallenblasenstau und Wachstumsstörung, offener Nabel, Gelbfärbung. (Wobei bei mir jährlich auch 1% Jungvögel schlüpfen, die an den ersten Tagen kein optimales Wachstum haben…) Wir können davon ausgehen, dass die Infektion mit dem Erreger schon im Ei stattgefunden haben muss. Bei anderen Vogelarten zeigen später infizierte Vögel (ältere Tiere) vor allem Federanomalien. Meine Meinung war schon immer, das 99% der Vögel mit einer schlechten Feder gar keine schlechte Feder im eigentlichen Sinne haben, sondern mit parasitären Lebensformen in jeglicher Form zurechtkommen müssen. Doch zurück zu den geschlüpften Jungvögeln: Bei Vögeln werden Antikörper der Henne auf das Ei übertragen.

Diese Antikörper (Ig Y im Eigelb, IgA und IgM im Eiweiß) schützen die gerade geborenen Jungen in ihren ersten Lebenstagen vor einer Reihe von Krankheiten.

Das ist notwendig, weil das Immunsystem noch nicht voll entwickelt ist. In den 3 Wochen nach dem Schlupf muss der Jungvogel mit dem Schutzmechanismus durch die Henne/das Ei 3 Wochen nach dem Schlupf mit  Antikörpern abgedeckt werden, bis das Immunsystem der Jungvögel sich selber entwickelt.

 

Fällt jetzt die Brutzeit mit der Primärinfektion (Erstinfektion) mit dem Erreger auf dem horizontalen Weg zusammen (Übertragung von Vogel zu Vogel) dann sind die Vögel immun-inkompetent, d.h. sie könne sich nicht gegen den Erreger wehren.

 

D.h. für uns Züchter jetzt auch, das zugekaufte Paare Jungtiere im Nest haben können die am schwarzen Punkt sterben, obwohl die zugekauften Altvögel den Erreger nicht mitgebracht haben.

 

 

Ggf. hat der Züchter beim Beringen der Jungvögel den Erreger von Kot aus dem einem Nest zu dem Nest mit den Jungen der neu gekauften Tiere verbracht. Wir erinnern uns, dass die neu zugekauften Vögel und deren Jungen keine Antikörper gegen den Erreger bilden konnte und grade die Jungen selber noch keine Abwehrkräfte bilden konnten und durch das Ei nicht mit Abwehrkräften der Mutter versorgt werden konnten, weil diese ggf. nie mit dem Erreger des schwarzen Punkt in Kontakt kam und so keine Antikörper gebildet hat.

 

1.       Fazit daraus ist:

 

Tritt der schwarze Punkt bei Jungvögeln von zugekauften Tieren auf, so ist nicht zwangsläufig sichergestellt, dass der Erreger mit den Tieren gekommen ist.

 

 

Verschiedene Übertragungswege

 

Als Vogelzüchter müssen wir uns mindesten 4 Begriffe merken, die wichtig sind, wenn wir an Schulungen teilnehmen:

 

1)

Horizontale Übertragung:

Von Vogel zu Vogel

Bei dem Erreger fäkal-oraler Weg.
Das ist der häufigste Übertragungsweg.

 

Auch Übertragung ohne Einweghandschuhe beim Beringen von Jungvögel in unterschiedlichen Nestern.

 

In den ersten 3 Wochen können die Jungen selber keine Antikörper ausbilden, sie sind auf die Antikörper im Ei angewiesen, die durch die Mutter beim Legen mitgegeben wurden.

 

Hier ist auch wichtig, das von anderen Paaren untergeschobene Eier Erreger mitbringen können, gegen die andere Junge in dem Nest keine Antikörper im Ei mitbekommen haben.

 

2)

Vertikaler Weg

Von der Mutter auf das Ei

(wenn die Henne beispielsweise noch nicht bereits im Sommer mit dem Erreger konfrontiert wurde und noch keine Antikörper gebildet hat)  

 

Fazit 2:

 

Haben wir einen Bestand ohne den Erreger und setzten einen neu gekauften Hahn auf die Henne kann es zu einer vertikalen Infektion über das Ei kommen.

 

D.h. der Hahn überträgt vertikal den Erreger durch die Befruchtung auf die Henne und diese kann dem Ei praktisch keine Antikörper mitgeben, die den geschlüpften Jungvogel in den ersten 3 Wochen braucht, da die Henne mit dem Erreger bisher nie konfrontiert wurde. Dieser Übertragungsweg ist bei Tauben nachgewiesen und bei Kanarienvögeln wahrscheinlich.

 

3) Primärinfektion

Praktisch die Erstinfektion mit dem Erreger, beispielsweise wie oben beschrieben durch das Hinzusetzen eines neu gekauften Hahnes zu einer Bestandshenne.

 

Eine Primärinfektion des eigenen Bestandes tritt im Optimalfall im Sommer auf, dann können die Hennen Antikörper bilden sie Eier legen.

 

Wenn Primärinfektion der Kanarienvögel mit dem Beginn der Brutzeit zusammenfällt, dann entsteht der schwarzer Fleck. Wenn ein Vogel mit einer Virusinfektion infiziert wird, dauert es einige Wochen, bis die Antikörper gebildet werden. Legt die Henne in der Zeit Eier, wird der schwarze Punkt übertragen! 

Der Virus vermehrt sich im Ei und legt das Immunsystem des Schlüpflings lahm.

 

4) Sekundärinfektion

 

Das sind die manchmal sonst meist harmlosen Probleme, die bei den durch den schwarzen Punkt geschwächten Jungvögeln in Kombination das Immunsystem zum Zusammenbrechen bringen können.Beispiele sind Bakterien, Viren, Pilze oder Protozoen.

 

Oftmals wird bei Sekundärinfektionen gegen Kokzidien mit Baycox behandelt. Es steht zu vermuten, dass die Sekundärinfektionen größtenteils den E. Coli zugeschrieben werden können und diese lassen sich nicht mit Baycox behandeln. Baycox bei Jungtiersterblichkeit würde ich persönlich nicht geben. Wer seine Zuchtvögel noch auf Sand hält, eine hohe Luftfeuchtigkeit im Zuchtraum hat und den Sand zu selten wechselt hat natürlich ein hohes Risiko bezüglich Kokzidiose. Der moderne Vogelzüchter, der seine Pfleglinge auf Aktivbodengrund wie Buchenspäne oder Katzenstreu hält, der wird seinen Feind vermutlich nicht in Kokzidien im Nest finden.

 

Weitere Verschlechterung in der 2. Brut:

 

Obwohl hier schon die ersten Antikörper von der Mutter durch das Ei weitergegeben werden können ist das Problem, das durch das Zusammenspiel von Stress in der Brut, der Primärinfektion mit dem Erreger des schwarzen Punkt und dem hohen Hormonspiegel der Altvögel das Immunsystem stark geschwächt wird. Das ist wiederum der Grund, dass einige Züchter nur eine Brut erlauben können oder in der 2. Brut abbrechen.

 

Resistenz des Erregers in der Umgebung:

Das Circovirus ist sehr stabil und über Monate oder sogar Jahre lebensfähig.

 

Bekämpfung des Erregers in der Umgebung:

Einige Desinfektionsmittel können das Virus abtöten, aber es muss eine genügende Einwirkzeit oder ein wiederholter Gebrauch eingehalten werden.

 

Als positiv wirksam gegen den SP habe ich nur Angaben über Beta-Glucan gefunden. Sollte der „Immunkraftverstärker“ zu einer vollständigen Verdrängung des Virus im Blut geführt haben, dann bin ich der Meinung, dass eine perfektionierte Ernährung gleichartige Ergebnisse bringen müsste.

 

Da wir wissen, dass Eier Abwehrstoffe enthalten, die sich positiv auf das Immunsystem des Vogels auswirken – Ich gebe dem Eifutter für meine Kanarien täglich frischgekochte Hühnereier bei. Sicher ist der positive Einfluss durch die Nährstoffe, ggf. sind nach dem Kochen aber auch noch Abwehrstoffe enthalten.

Jetzt kommen wir zum Negativen:

 

Jungvögel mit dem schwarzen Punkt sollten nicht „gerettet“ werden. Falls sie tatsächlich überleben, werden Sie immer ein schwaches Immunsystem haben und Dauerüberträger sein. Das ist besonders auf die Weibchen aus dem 1.-3- Gelege anzuwenden.